LAVA ENERGY – der Weg vom Wärme-Contractor zum Quartiersversorger

… und was das mit AMPEERS ENERGY zu tun hat 

5 Min. Lesedauer

von Julia Buchterkirchen, Autorin
Erschienen am 03.05.2021

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Wir sprachen mit Marcus Lehmann darüber, wie er als Gründer und Geschäftsführer von LAVA ENERGY ein ganzheitliches Energieeffizienzunternehmen für Immobilien aufgebaut hat. Jeder Schritt war eine Antwort auf gesetzliche Entwicklungen. Nun schaut er auf Nachhaltigkeit als zukunftsweisendes Geschäftsmodell. Dies und wie er sich in diesem Vorhaben für AMPEERS ENERGY entschieden hat, erfährst du im folgenden Beitrag.

Gründung im Richtungswechsel der Energiepolitik

Fukushima liegt noch nicht lange zurück. Der Abgesang auf die Atomkraft und fossile Energie rückt zunehmend in das Visier der Politik. Es ist 2013 als Marcus Lehmann in der Rolle des Geschäftsführers und Gesellschafters der Minol-Zenner Gruppe den Bereich der Immobilienwirtschaft Deutschland verantwortet und sich fragt, wie die Gebäudewirtschaft die energetische Transformation bewältigen könne. Daraufhin gründet er LAVA ENERGY.

Da er sich über die Jahre umfassende Energie-Expertise angeeignet hat, sieht er in seiner Fragestellung eine Chance. „Da will ich versuchen zu helfen, dachte ich. Ich kam ja aus dem Zählerwesen und hatte seitens Minol Erfahrung in der Abrechnung von Heizungsanlagen. So verfolgte ich mit LAVA ENERGY den Ansatz, sich um das Versorgungssystem und die Effizienz desselbigen zu kümmern,” erzählt Lehmann heute.

Ganzheitliche Energieversorgung als Geschäftsmodell

LAVA ENERGY ist inzwischen als ein typischer Versorger von Gebäuden, vordergründig von Quartieren bekannt. Unter dem Begriff Versorgung versteht das Unternehmen die Bündelung aller Energieformen wie Wärme, Kälte, Elektrizität sowie die digitale Datenkommunikation, die in ein Quartier eingehen. LAVA ENERGY fungiert in diesem Kontext als Wärme-Contractor und Energielieferant. Dazu gehört ebenfalls der Betrieb der erforderlichen Infrastruktur sowie die gebäude- und medienübergreifende Sicherstellung der Versorgung in der eigentlichen Betriebsphase. Mit inbegriffen: Themen wie die Einbindung der Elektromobilitätsinfrastrukturen – mit Lademanagement und/oder ergänzenden Mobilitätsservices wie Carsharing. Darin liegt das Differenzierungsmerkmal von LAVA ENERGY.

“Zwar liegt unser Fokus auf der Sicherstellung eines effizienten, wirtschaftlichen und störungsfreien Betriebs der Versorgungsanlagen eines Quartiers, allerdings versuchen wir bereits möglichst frühzeitig in der Planungs- und Projektierungsphase, unsere Konzepte bei den Projektentwicklern und Fachplanern zu platzieren,” sagt Lehmann.

Vielfach werden Versorgungsvereinbarungen über 15 oder gar 20 Jahre geschlossen. Für Lehmann sei es daher wichtig, mit den Kunden von Anbeginn eine Vertrauensbasis geschaffen zu haben, um diese über Projekte hinweg zu entwickeln. LAVA ENERGY bietet daher die ganzheitliche Versorgung einzelner Projekte, wie Quartiere, aber perspektivisch auch für das gesamte Portfolio der Kunden.

Eben diese Ganzheitlichkeit des Geschäftsmodells trägt den Geist der Energiewende, die unabwendbar in der Immobilienwirtschaft angekommen ist. Was sich zunächst im Zuge der Gesetzesänderungen ergeben hat, entwickelt sich zunehmend effizienzgetrieben.

Vom Wärme-Contracting in das Mieterstrom-Geschäft

Es ist schon einige Jahre her, als LAVA ENERGY als erfolgreicher Energiedienstleister in das Wärmeliefergeschäft einsteigt. Mit der Novellierung des Mietrechts im Jahr 2012 ist es erstmals möglich, Bestandsliegenschaften von der bisherigen Eigenversorgung auf gewerbliche Wärmelieferung umzustellen. Aufgrund der hohen Expertise baute sich LAVA eine führende Rolle bei der Modernisierung von Bestandsanalagen als Contractor auf.

In das Mieterstromgeschäft einzusteigen, hat ebenfalls gesetzliche Treiber. Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz in Baden-Württemberg verpflichtet Eigentümer bestehender Wohngebäude im Rahmen eines Heizungsanlagentausches 10% beziehungsweise 15%, erneuerbare Energien einzusetzen. Die Immobilienwirtschaft fühlt sich schnell überfordert, die nötigen erneuerbaren Energien einzubringen. „Die Möglichkeit, den Anteil an Erneuerbaren über PV abzubilden, erweist sich bei Mehrfamilienhäusern aufgrund des geringen Dachflächenanteils in der Praxis oft schwierig. So kamen wir schnell zum Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen,” so Lehmann.

Aufgrund diverser gesetzlicher Regularien ist die Volleinspeisung des vor Ort erzeugten Stroms wirtschaftlich kaum darstellbar. Daraus entspringt bei LAVA ENERGY sehr schnell die Idee, den Strom möglichst im Gebäude zu verbrauchen, was zur Konsequenz hat, in Mehrfamilienhäusern auch geeignete Mieterstromlösungen mitanzubieten. So gelangt LAVA ENERGY im Jahr 2014 zu seiner ersten Mieterstromlösung – über ein BHKW.

Outsourcing-Frage bei Gebäudeautomation und Energiemanagement

LAVA ENERGY erkennt die Mieterstrom-Projektierung als ein wichtiges Thema – aber auch, dass die Bewirtschaftung eine gewisse Herausforderung darstellt, die sich nicht einfach mit bestehenden Systemen lösen lässt.

„Beim Thema Energieversorgung begibt man sich vielfach in Neuland, und das ist auch unser Vorgehen:  Unser Versorgungskonzept wird sukzessive um neue Komplexitätsstufen erweitert: Erst das BHKW, gefolgt von PV-Anlagen, später die ersten Projekte mit Kälteversorgung bzw. Solarthermie. Sobald man eine Technologie beherrscht, gehen wir in größere Projekte und skalieren das dann in der Folge. So war das auch beim Mieterstrom”, sagt Lehmann.

„Wir haben damit begonnen, die ersten Anlagen in Excel abzurechnen, was auch eine Weile gut funktioniert hat. Doch je mehr Anlagen und Projekte dazugekommen sind, desto mehr sind wir nach und nach an Grenzen gestoßen. Beispielsweise waren neue Mitarbeiter kaum noch in das ‚System‘ einzuarbeiten. Eine neue, stabile und vor allem skalierbare Lösung musste her.

AMPEERS ENERGY als flexible Software-Lösung

“Nach einer eingehenden Marktrecherche haben wir uns für AMPEERS ENERGY entschieden, weil wir für unseren Bereich Mieterstrom eine Buchhaltungslösung gesucht haben, die insbesondere die kaufmännischen Prozesse sauber abbildet. Wir benötigten speziell die Funktionen Kundenverwaltung und -abrechnung – und die haben wir in den Modullösungen von AMPEERS ENERGY gefunden. Zählerauslesung und -management erfolgen weiter über das LAVA-eigene EMS und sind mit AMPEERS ENERGY zum Austausch der Zählerstände und Verbrauchsdaten verknüpft. Überhaupt ist bemerkenswert, welch hohe Kompetenz das Team von AMPEERS ENERGY bei der Abbildung flexibler Schnittstellen an unsere verschiedenen Systeme mit in das Projekt gebracht hat. Bei AMPEERS ENERGY fühlen wir uns bis heute bestens aufgehoben,” sagt Lehmann.

Gemeinsame energetische Modernisierung der Bestandsquartiere

Seither operieren LAVA ENERGY und AMPEERS ENERY bei Quartiersentwicklungen zunehmend gemeinsam. Dass dies gut funktioniert, hat sich bereits bei kleineren Projekten von LAVA ENERGY bewiesen, die das Unternehmen über die Jahre erweitert hat. Nun sind aus den Bestandsobjekten Bestandsquartiere geworden.  Nach Lehmann gehe es dabei vielfach um dezentral versorgte Quartiere mit 300-400 Wohnungen, oft mit Gebäuden aus den 60er, 70er Jahren, die energetisch in die Jahre gekommen sind.

Aus diesem Beherrschen auch komplexerer Projekte im Bestand hat sich LAVA ENERGY in den letzten Jahren verstärkt auch auf Projektentwicklungen des Neubaus fokussiert. Dort sei ihr ganzheitlicher Versorgungsansatz nicht mehr wegzudenken, so Lehmann. Sein Ziel sei es, die Vorteile einer dezentralen Versorgung zu nutzen, um gleichzeitig eine hohe Eigenverbrauchsquote unter Einsatz erneuerbarer Energien zu generieren. Die Immobilienwirtschaft würde hierbei auch perspektivisch eine qualifizierte Unterstützung benötigen: „Ich bin absolut positiv gestimmt, dass Quartiere ohne ein fundiertes Expertenwissen nicht mehr einfach entwickelt und später bewirtschaftet werden können. Unsere Kunden wissen es zu schätzen, mit LAVA ENERGY einen zuverlässigen Partner über den gesamten Planungs- und Lebenszyklus der Gebäude an ihrer Seite zu haben.

Es geht ja nicht mehr nur darum, eine Heizungsanlage betreiben zu können. Es geht um kombinierte Systeme, die ein ausgeklügeltes Energiemanagementsystem erfordern. Und das muss zunächst entwickelt und in der Folge auch beherrscht und bedient werden können. Und hier gibt es massive Wissenslücken nicht nur im Einzelfall, sondern auch in der Breite. Erst mit der richtigen Fokussierung und Spezialisierung, kann man den Projektentwicklern und Verwaltern tatsächlich nachhaltige Lösungen bieten.”

Spannendes Geschäftsfeld

Im Jahr 2021 begreift LAVA große Immobilienprojekte mit komplexen Energie- und Wärme-Strukturen als ein spannendes Geschäftsfeld. Lange Investitionszyklen im Immobiliensektor sorgen dafür, dass sich der Druck, jetzt auch ökologisch zu handeln, erhöht. Nachhaltige Investments bringen zwangsläufig nachhaltige Versorgungslösungen mit sich.

Lehmann verdeutlicht, LAVA ENERGY sei effizienzgetrieben. Alle Investitionen, die sie tätigen, sollen sich möglichst über die Effizienzgewinne amortisieren ­– und da sei man mit einem Partner wie AMPEERS ENERGY auf dem richtigen Weg.

Zwar sollen verschiedene gesetzliche Regelungen neue Impulse zur energetischen Modernisierung geben – allein die zunehmend relevante CO2-Bepreisung wird aber einen massiven Druck auslösen. Lehmann prognostiziert, in 2025 sei man mit 55€ pro Tonne bereits in solch signifikanten Bereichen, die Versorger und Gebäudeeigentümer zu Versorgungslösungen auf Basis erneuerbarer Energien lenken werde. Doch der eigentliche Treiber ist der gesellschaftliche und politische Handlungsdruck.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich massiv verändert. Den Anfang machten Greta und FridaysForFuture. Darauf folgte der Green Deal. Schlussendlich übe jetzt der Zwang zur Dekarbonisierung des gesamten Kontinents, in den nächsten 30 Jahren einen derart massiven Druck nicht nur auf die Länder, sondern auf alle Sektoren und damit auch der Immobilienwirtschaft aus. „Die Assetklasse Immobilie hat ohne eine eindeutige und bekennende ESG-Strategie keine Zukunft“, sagt Marcus Lehmann.