AMPEERS ENERGY - Die Gründer im Interview

Um unser grünes Start Up einmal vorzustellen, haben wir Dr. Karsten Schmidt, Gerrit Ellerwald und Tobias Müller zum Gespräch gebeten. Sie müssen sich auskennen, denn sie haben AMPEERS ENERGY im Mai 2019 zusammen gegründet. In diesem Interview stehen die drei Gründer zu den wesentlichsten Punkten ihrer Unternehmung Rede und Antwort.

8 Min. Lesedauer

8 Min. Lesedauer

von Dr. Karsten Schmidt,
 
Gerrit Ellerwald, Tobias Müller, Autoren
Erschienen am 12.06.2019

Share on linkedin
Share on xing
Share on facebook
Share on email

von Dr. Karsten Schmidt,
 
Gerrit Ellerwald, Tobias Müller, Autoren
Erschienen am 01.08.2019

Share on linkedin
Share on xing
Share on facebook
Share on email

FRAGEN

1. Wie kam es 2019 eigentlich zu der Gründung?

Um ehrlich zu sein, die Zeit für AMPEERS ENERGY war einfach gekommen. Der Energiemarkt ändert sich, das gesellschaftliche Interesse an lokalem, günstigem Strom ist da. Es gibt die Nachfrage und nun mit unserer Idee auch die dazu passende Lösung. Denn wir bieten eine vollumfängliche Softwarelösung, die dezentrale Geschäftsmodelle profitabel und einfach macht. Wir konnten also gar nicht anders als AMPEERS ENERGY zu gründen.

Karsten und Gerrit kannten sich seit der Uni und nach erfolgreichem Diplom ging der Weg anschließend gemeinsam weiter zu E.ON. Dort war die gemeinsame Zeit zwar nur von kurzer Dauer, da Gerrit E.ON bald verließ, um sein eigenes Unternehmen „Grünspar“ zu gründen. Als er dort seinen erfolgreichen Exit hatte, hatte Karsten zeitgleich bei der Fraunhofer Gesellschaft die heutige Back-End-Technologie unseres Unternehmens identifiziert und begonnen die Ausgründung eines Spin-off vorzubereiten. Dank Gerrits Gründungsexpertise und Karstens energiewissenschaftlichem Know-how war man fachlich schon gut aufgestellt. Es war schnell klar, dass hier eine Zusammenarbeit funktioniert, da man sich nicht nur gut kannte, sondern auch hervorragend verstand.

Während der Ausgründung wurde Tobias zum Thema Marktanalyse und Strukturierung mit an Bord geholt. Tobias brachte wertvolle Erfahrungen aus dem Bereich Mieterstrom, die er in seiner Zeit bei Polarstern sammeln konnte, mit und auch hier stimmte die Chemie von Anfang an. Menschlich waren wir alle auf einer Wellenlänge und auch inhaltlich stimmte unser Blick auf die Herausforderungen und Möglichkeiten der Energiewende überein. Auf dieser Basis gründeten wir Drei im Mai 2019 gemeinsam mit der Fraunhofer Gesellschaft AMPEERS ENERGY.
Aus unserer Sicht war die Gründung eines neuen Unternehmens notwendig, um schnell und flexibel handeln zu können. Keine langwierigen Entscheidungsstrukturen. Keine zähen Diskussionsrunden. Wir wollen einfach das zeitkritische Thema der Energiewende unkompliziert und vor allem effektiv vorantreiben. Es bringt nichts nur abzuwarten und darauf zu hoffen, dass die Energiewende von sich aus geschieht. So pathetisch es auch klingt, die Energiewende muss jetzt angepackt und einfach gemacht werden. Wir wollen eine nachhaltige und grüne Zukunft. Das war eine wesentliche Motivation der Gründung.


2. Was macht denn AMPEERS ENERGY genau?

AMPEERS ENERGY ermöglicht es Unternehmen die Potenziale dezentraler Geschäftsmodelle zu erschließen – ökonomisch und ökologisch! Das ist nicht nur ein gewinnbringendes Businessmodell, sondern bringt auch die Energiewende voran.

Als SaaS-Unternehmen bieten wir cloudbasierte Applikationen für das Management und die Optimierung von Energie- und Datenflüssen im Quartier an. Das klingt zunächst sehr kompliziert, ist es aber gar nicht. Im Gegenteil: Unsere Softwarelösung ist so konzipiert, dass sie den komplexen Sachverhalt „Energiemanagement“ vereinfacht, Prozesse optimiert und automatisiert und dabei bares Geld spart.

Die dafür nötigen Kompetenzen haben wir als Fraunhofer Spin-off dank der erfolgsversprechenden Kombination aus technologischem Know-how, in Form der Software- und Entwicklungskompetenz des IOSB-AST, und unserem sehr erfahrenen Team, welches marktorientiert die Produkte auf Basis des Back-Ends des IOSB entwickelt. Somit können wir einerseits die technologische Originalität und das Innovationspotential unserer Produkte gewährleisten und stellen zugleich sicher, dass unsere Lösungen perfekt zu den Kundenbedürfnissen im Markt passen.

3. Beschreibt doch mal euer Produkt und wie es genutzt werden kann.

Unser Angebot ist eine Marktneuheit. Wir liefern nicht nur Teillösungen, sondern die komplette softwareseitige Unterstützung zur einfachen, vollständigen und skalierbaren Umsetzung dezentraler Geschäftsmodelle mit erneuerbaren Energien. Unsere Lösung besteht aus drei wesentlichen Bausteinen, die miteinander kombiniert werden können.

Unsere zentrale SaaS-Lösung, der AE District Manager, dient der Optimierung von sektorenübergreifenden Energieströmen (Strom, Wärme und Mobilität) im Quartier. Durch den Einsatz von intelligenten, selbstlernenden Technologien ist der District Manager in der Lage, verschiedene dezentrale Anlagenkomponenten (z.B. PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Ladesäulen, BHKW etc,) in Verbindung zu bringen und diese so zu steuern, dass sie bedarfsorientiert und mit maximaler Wirtschaftlichkeit betrieben werden. Wir sprechen hier von Kosteneinsparpotentialen in Höhe von rund 20%. Für den District Manager geeignet sind alle größeren Gebäudekomplexe mit einer heterogenen Erzeugungsinfrastruktur – Wohnquartiere, diverse Mischquartiere sowie verschiedenste Spezialimmobilien wie Flughäfen, Kranken- und Pflegeheime oder Einkaufszentren.

Unsere zweite SaaS-Lösung ist der AE Local Supplier. Er ist unsere Antwort auf alle Fragen, die sich zum Thema Mieterstrom stellen. Als vollautomatisierte und end-to-end integrierte Software übernimmt er die komplette administrative Seite von Mieterstromprojekten (z.B.  Wechselprozesse, Bilanzierung, Abrechnung der Erzeugungsanlagen und Endkunden, Forderungsmanagement). Er bringt die geballte Ladung energiewirtschaftliche Kompetenz mit und ist dabei absolut einfach zu bedienen. So spart der Local Supplier Zeit, Nerven und Geld, da er zu einer Wirtschaftlichkeitssteigerung von 40-50% führt.
Für unsere Mieterstrom– und Quartierslösungen sind alle mittleren und großen Wohnungsbauunternehmen, beziehungsweise alle Unternehmen mit relevant großem Wohnungsbaubesitz (kirchliche, private, öffentliche Träger und Genossenschaften) geeignet. In Deutschland gibt es ca. 40 Millionen Wohnungen – davon sind mindestens 10% für Mieterstrom und für den AE Local Supplier geeignet.

Der AE Fleet Optimizer ist unsere dritte SaaS-Lösung und übernimmt das gesteuerte Laden von E-Fahrzeugflotten. Durch das Zusammenspiel aller relevanten Daten am Standort der Ladeinfrastruktur erfolgt ein wirtschaftlich optimiertes Last- und Lademanagement das perfekt in die betrieblichen Abläufe integriert ist.
Bereits ab einem Fuhrpark von 10 Fahrzeugen mit planbaren Routen ermöglicht der Fleet Optimizer durch sein vorausschauendes Laden Einsparungen von bis zu 5 Cent pro gefahrenen Kilometer (im Vergleich zu einer Dieselflotte).

Grundlage unserer Produkte ist die äußerst leistungsfähige Fraunhofer-Software EMS-EDM Prophet®, die durch den Einsatz von selbstlernenden Technologien in der Lage ist, alle dezentralen Prozesse rund um Energieerzeugung und Verbrauch miteinander zu verbinden und zielgerichtet zu steuern.

Von Kunden und Kooperationspartnern bekommen wir immer wieder als Feedback, dass wir eine rundum zu Ende gedachte Lösung bieten. Das macht uns natürlich sehr stolz.

4. Wie sehen technische Details aus? Was unterscheidet euch vom Wettbewerb?

Die Technologie besteht grundsätzlich aus zwei Kernkomponenten – einer Energiemanagementkomponente zur Prognose und Optimierung von sektorübergreifenden Energieflüssen sowie einer energiemarktkonformen Abrechnungskomponente.

Die Energiemanagementkomponente prognostiziert und optimiert den Betrieb von dezentralen Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen. Je heterogener diese Anlagen sind, desto besser kann die Technologie ihre Stärken ausspielen. Ähnlich eines Dirigenten orchestriert man alle Erzeuger in einem Quartier nach dem jeweiligen Verbraucherverhalten und kann so nicht nur Prozesse harmonisieren, sondern auch Geld sparen. Dahinter liegen mathematische, statistische Optimierungsmodelle und der Grundgedanke, dass man versucht Erzeugung und Verbrauch möglichst deckungsgleich zu gestalten und dadurch den Eigenverbrauch zu maximieren. Sehr, sehr vereinfacht ausgedrückt soll das Auto dann geladen werden, wenn die Sonne scheint. Lastspitzen werden bspw. geglättet, indem die Software flexible Lasten an- beziehungsweise abschaltet, wenn sich deren Einsatz zeitlich verschieben lässt.

Die Abrechnungskomponente basiert im Wesentlichen auf den verschiedenen Messdaten, wie z.B. aus den Verbrauchs- und Erzeugungszählern, und ordnet diese verursachungsgerecht zu. Der Local Supplier erstellt so z.B. die Abrechnung der Energielieferung an den Endkunden bzw. übernimmt die Meldepflicht an Netzbetreiber, Hauptzollamt u.a. Behörden. Die relevanten Energiedaten korrekt zusammenzutragen, sie transparent zuzuordnen und richtig abzurechnen, beziehungsweise sie weiterzuleiten ist die Leistung der Abrechnungskomponente.

Somit deckt die Software alle energierelevanten Aspekte ab und macht es unseren Kunden einfach dezentrale Geschäftsmodelle mit erneuerbaren Energien zu realisieren. Durch den modularen Aufbau kann jeder Kunde individuell über seine Wertschöpfungstiefe bei der Umsetzung der Geschäftsmodelle entscheiden.
Diese Funktionalität kombiniert mit der intuitiven Usability differenziert uns klar vom Wettbewerb. Darüber hinaus haben wir dank der Kooperation mit der Fraunhofer Gesellschaft den enormen Vorteil kontinuierlich weitere Innovationen in unsere SaaS-Lösungen integrieren zu können. Wir stehen mit Fraunhofer in engem Kontakt und können so über Neuerungen und Erkenntnisse beider Seiten sprechen und schauen, wie sich das zur Weiterentwicklung verbinden lässt. Das ist ein Marktvorteil, wie ihn kein zweites Start-Up besitzt.

5. Wer kann alles von dieser Software profitieren?

Für unsere Leistungen gibt es drei Hauptzielgruppen: Energieversorger und -dienstleister, die Immobilienwirtschaft (Wohnungen, ebenso wie Industrie- und Gewerbeflächen) und Flottenbetreiber.

Energiedienstleister und -versorger sind gezielt auf der Suche nach Möglichkeiten, um in neuen dezentralen Anwendungsfeldern wie beispielsweise in Gebäuden oder Quartieren aktiv zu werden. Mithilfe unserer Software ermöglichen wir es ihnen innovative Energielösungen für ihre Kunden effizient und profitabel anzubieten.

Der Wohnungswirtschaft ermöglichen wir den Zugang zu einem für sie komplett neuen Geschäftsfeld. Ihre vorhandenen Dach- und Kellerflächen können genutzt werden, um erneuerbare Energien in ihre Liegenschaften zu bringen. Die Immobilien werden aufgewertet und die Wohnungswirtschaft erweitert ihr Mieter-Serviceangebot, da lokal erzeugter, günstiger Ökostrom angeboten werden kann.
Wir versetzen die Immobilienwirtschaft in die Lage als Energiedienstleister aufzutreten. Dass die Immobilienwirtschaft keine Vorkenntnisse in der Energiewirtschaft hat, ist kein Problem, da alles energiemarkt- und gesetzesrelevante Wissen in der Software steckt und diese so einfach zu bedienen ist.

Für jeden Flottenbetreiber mit einer größeren Anzahl an Elektrofahrzeugen sind unsere Lösungen auch interessant. Denn unsere KI bringt Touren und Einsatzpläne intelligent mit dem Lademanagement zusammen, sodass die Flotte emissionsarm und dank des maximierten Eigenverbrauchs kostenoptimiert auf der Straße fährt.

6. Welche unternehmerischen Ziele gibt es für die nächsten 5 Jahre?

Unser kurzfristiges Ziel ist es, das Unternehmen umfassend aufzubauen. Wir haben AMPEERS ENERGY im Mai 2019 gegründet – somit lernen wir jeden Tag dazu, wie wir die interne Zusammenarbeit, unsere Abläufe sowie die Infrastruktur optimieren können. Langfristig wollen wir die erste Anlaufstelle im Markt sein, wenn es um das Möglichmachen von dezentralen Energiekonzept geht.

Indem wir nachhaltige, profitable Geschäftsmodelle entwickelt haben, nehmen wir allen Skeptikern auch die letzten Argumente, die sie noch von Erneuerbaren Energien abgehalten haben. Wenn wir in die Zukunft blicken, dann stellen wir uns vor, dass wir es vielen Unternehmen ermöglicht haben, eine aktive Rolle bei der Umsetzung der dezentralen Energiewende zu spielen. Wir wollen einfach unseren Beitrag leisten, den gesamten CO2Ausstoß, die Hauptursache unseres gegenwärtigen Klimawandels, zu reduzieren. Seien es Wohnungsbauunternehmen, die ihre Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet, Flotten, die auf Elektromobilität umgestellt und Energieversorger, die im dezentralen Energiegeschäft Fuß gefasst haben.

7. Wie sieht denn das Arbeiten bei AMPEERS ENERGY aus? Ist das Team bereits vollständig?

Aufgrund der Dringlichkeit des Themas und der hohen Nachfrage an unserer Softwarelösung sind wir gut ausgelastet. Verstärkung ist immer erwünscht! 
Wir haben zwar unseren Hauptsitz in München, aber unserer Unternehmensphilosophie entsprechend, gibt es bei uns die Möglichkeit dezentral (z.B. aus dem Homeoffice) zu arbeiten. Wir wollen neue Mitarbeiter nicht verpflanzen, sondern sie dort arbeiten lassen, wo ihre Wurzeln sind und sie sich wohlfühlen. Dank moderner Technologien und Arbeitsformen agieren wir virtuell und ressourcenschonend, um uns täglich auszutauschen und die räumliche Distanz zu überbrücken. Gerade in der heutigen Zeit kommen uns diese Erfahrungen und Strukturen zu Gute.

Natürlich arbeiten wir teamorientiert, sind auf Augenhöhe miteinander und Feedback wird in alle Richtungen gewünscht, gegeben und gelebt. Doch vor allem sehen wir einen Sinn in unserer Arbeit und gehen ihr daher auch gerne nach.

Es ist unheimlich motivierend mit der täglichen Arbeit einen aktiven Beitrag für die Energiewende und somit auch für eine grünere Zukunft zu leisten. Und wer auch der Meinung ist, dass man nicht länger nur über die Energiewende reden sollte, sondern sie endlich angehen muss, dem empfehlen wir einen Blick auf unsere Website zu werfen. Dort sind offene Stellenausschreibungen (ebenso wie die Kontaktdaten für eine Initiativbewerbung) zu finden.